Chancen und Risiken der Warenterminbörse

Milchbauern informieren sich über Strategien bei der Nutzung von Milchtermingeschäften

Experten im Dialog mit den Landwirten: Die Agrarberater Sebastian Dreier und Bernhard Leifeld konnten mit Johann Kalverkamp einen Referenten gewinnen, der viele Impulse gab.

Büren. Die Milchbauern stehen heutzutage vor großen Herausforderungen: Stark schwankende Erträge machen es immer anspruchsvoller, Höfe nachhaltig zu bewirtschaften. Wie können Landwirtinnen und Landwirte unter diesen Bedingungen ihre Betriebe fit für die Zukunft machen? „Die hohen Preisschwankungen stellen immer wieder neue Herausforderungen an die Landwirte“, weiß Agrarberater Sebastian Dreier von der Volksbank Brilon-Büren-Salzkotten. Gemeinsam mit seinem Kollegen Bernhard Leifeld konnte er Johann Kalverkamp als Vorstand der VR Agrarberatung Lingen AG  in Büren begrüßen. Der Agrarexperte stellte interessierten Landwirten aus der Region zukunftsweisende Strategien und Maßnahmen bei der Nutzung von Milchtermingeschäften vor.
Chancen und Risiken der Warenterminbörse und Praxisbezug für Landwirte
Hoch- und Niedrigpreisphasen auf dem Milchmarkt lösen sich seit Jahren regelmäßig ab. Eine Möglichkeit, die Risiken größerer Preisschwankungen für Michbauern zu reduzieren, ist die Absicherung an der Warenterminbörse. Die Produktionskosten von Milch lassen sich beispielsweise bereits über Vorkontrakte im Futtermitteleinkauf planen, der Milchauszahlungspreis ist dagegen bisher langfristig nicht kalkulierbar. Vielmehr ist dieser den meisten Landwirten erst in der Mitte des Folgemonats mit der Milchgeldabrechnung bekannt  „Die Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass neben der strategischen Planung auch die Liquiditätsplanung ein wichtiger Baustein in der Führung eines landwirtschaftlichen Unternehmens sein kann“, berichtet Referent Johann Kalverkamp. „Die Stabilisierung von Preisen, die zur Liquiditätsabsicherung beitragen, ist dabei auschlaggebend.“
Eine Milchpreisabsicherung über die Warenterminbörse bietet für Milchbauern gute Perspektiven, um  auch bei schwankenden Märkten mögliche Preisrisiken zu steuern. „Dabei sollte man eine wichtige Regel beachten“, betont Agrarexperte Johann Kalverkamp:  „Wer an einer Warenterminbörse Preise absichern will, muss auch die Kalkulation beherrschen.“ Dazu gehören unter anderem komplexe Fachkenntnisse zur Betriebszweiganalyse und der Vollkostenrechnung. Diese Daten sind dann Grundlage für den abzusichernden Milchpreis. Wegen der komplexen Materie sollten sich unsere Betriebe grundsätzlich beraten lassen: „Wichtig ist, dass vor und während der Preisabsicherung über die Warenterminbörse auch mit der Hausbank kommuniziert wird. Die eigentliche Preisabsicherung wird dann nach vorher festgelegten Strategien diszipliniert umgesetzt.“
Die richtige Strategie finden – im Fokus liegt der Gesamtbetrieb
Ein auf den Betrieb angepasstes Preisrisikomanagementsystem, abgesichert durch Positionen am Warenterminmarkt, kann mögliche Gewinnschwankungen erheblich reduzieren. Die Wahl der richtigen Strategie hängt jedoch vom jeweiligen Produktionsprogramm des einzelnen Betriebes ab. Eine pauschale Empfehlung für Milcherzeuger gibt es nicht. Für eine erfolgreiche Absicherung sollte der Landwirt grundsätzlich die betrieblichen Leistungen und Kosten kennen und auch die Preise – sowohl für Energie und Futter als auch Milch – fest im Blick haben.