Erinnerung an jüdische Mitbürger

Gedenktafel berichtet an der Volksbank über jüdisches Leben in Büren

In der vor kurzem neu benannten Aronsteingasse (v. l.) Volksbank-Vorstand Thorsten Wolff, Reinhard Kurek, Jürgen Cramer, Hans-Josef Dören (alle Heimatverein), Bürgermeister Burkhard Schwuchow und Ortsvorsteher Wigbert Löper.

Büren. Jüdisches Leben in Büren - seit dem Mittelalter nachweisbar und seit Mitte des 19. Jahrhunderts fest im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben der Region verankert - ist heute ein Stück vergangener, gewaltsam zerstörter Geschichte. Die seit langem ansässigen jüdischen Familien in der Alme- und Aftestadt wurden in der NS-Zeit sämtlich vertrieben oder deportiert und ermordet. Geblieben sind nur wenige Spuren, die mehr und mehr verblassen. „Wir möchten mit unserem Projekt „jüdische Spuren in Büren“ dem Vergessen entgegen wirken“, betont Jürgen Cramer, Vorsitzender des Bürener Heimatvereins. Mit einer Gedenktafel in der neu benannten Aronsteingasse direkt neben dem Gebäude der heutigen Volksbank Brilon-Büren-Salzkotten hält der Heimatverein weitere Spuren der jüdischen Bürger in Büren lebendig. Ein Foto auf der Tafel zeigt die frühere Harmonie-Gesellschaft – ein Club der Honorationen unterschiedlicher religiöser Bekenntnisse.

„Es ist uns wichtig, Farbe zu bekennen, auch an die dunkle Seite der Geschichte zu erinnern und uns für die Zukunft klar zu positionieren“, erklärt Bankvorstand Thorsten Wolff das Engagement der Volksbank: „Wir stehen zu den demokratischen Grundwerten. Dazu gehört es auch, sich zu äußern.“ Seit drei Jahren engagieren sich die Bürener Heimatfreunde zum Projekt "jüdische Spuren" mit unterschiedlichen Aktionen. Nach der Einrichtung einer Hinweistafel am jüdischen Friedhof und der Straßenumbenennung der heutigen „Aronsteingasse“ steht nun das nächste Projekt an: Die Aufstellung einer Hinweistafel am ehemaligen jüdischen Warenhaus „Berghausen und Goldschmidt“. „Die damalige Spar- und Darlehnskasse in Büren hat das Gebäude nach dem Krieg im Jahr 1955 erworben. Heute  möchte die Volksbank Brilon-Büren-Salzkotten gemeinsam mit dem Heimatverein über die jüdische Geschichte des Hauses und seiner Bewohner informieren“, berichtet Jürgen Cramer.

Die neue Hinweistafel geht in der Aronsteingasse als weitere Station der jüdischen Geschichte vor Ort nach und beschreibt somit Lebenswege jüdischer Bürger. „Wir möchten nicht nur an die Ausgrenzung und Deportation durch die Nationalsozialisten erinnern, sondern auch daran, dass jüdische Familien in unserer Stadt seit dem 19. Jahrhundert als Bürger integriert waren. Sie engagierten sich hier für das Vereinswesen und waren unter anderem in der Feuerwehr, im Turnverein, im Bürgerschützenverein oder auch im Tambourcorps aktiv.

An der Stelle des heutigen Volksbankgebäudes stand ursprünglich ein Warenhaus, das der jüdische Kaufmann Moses Aronstein (1762-1845) gegründet hatte. Wie seine Söhne Heinemann und Abraham und später sein Enkel Hermann engagierte er sich als Stadtrat in Büren. Salomon Aronstein errichtete im Jahr 1897 einen repräsentativen Neubau. In diesem richteten 1914 die Kaufleute Berghausen und Goldschmidt ein Textilgeschäft ein, das auch als Wohnhaus diente. Alle drei Kaufmannsfamilien begründeten den Ruf Bürens als Einkaufsstadt mit. Die Hinweistafel in der Aronsteingasse soll künftig auch eine Station in den historischen Stadtrundgängen sein, eine weitere Tafel wird der Bürener Heimatverein in diesem Jahr an der ehemaligen Synagoge an „Boedts Parkplatz“ errichten.
Darüber plant der Bürener Heimatverein noch für 2017 die Herausgabe einer neuen Dokumentation zur jüdischen Geschichte in Büren: Das Buch des Historikers Dr. Heinrich Sprenger verzeichnet im 75. Jahr nach der Deportation alle jüdischen Kinder, Frauen und Männer, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer fielen.
Weitere Informationen zum Projekt „jüdische Spuren in Büren“ gibt es auch auf der Internetseite des Heimatvereins unter www.heimatverein-bueren.de