Briloner Wirtschaftsforum zur Postwachstumsökonomie

Über 200 Gäste in der Volksbank

Vortrag vor vollem Haus: Gemeinsam mit dem Referenten Prof. Niko Paech (3. v. links) konnten Bankvorstand Karl-Udo Lütteken, Bürgermeister Dr. Christof Bartsch, Bankvorstand Thorsten Wolff, Rüdiger Strenger (Geschäftsführer der BWT), Bankvorstand Josef Brücher und Wirtschaftsförderer Oliver Dülme über 200 Gäste begrüßen. 

Brilon. Höher, Schneller, Weiter. Wachstum um jeden Preis. Wie lange können wir uns dieses noch leisten und wie sieht eine Welt ohne ständiges Wachstum aus? Das waren die Hauptfragen mit denen sich Prof. Niko Paech in seinem Vortrag zur Postwachstumsökonomie befasst hat. Der Oldenburger Volkswirt und Wachstumskritiker präsentierte auf dem 53. Briloner Wirtschaftsforum vor über 200 Gästen in der Volksbank seine Theorie zur Postwachstumsökonomie. Diese setzt zur Deckung des menschlichen Lebensunterhalts nicht auf Wachstum und Steigerung des Bruttoinlandsproduktes , sondern auf eine bewusste Zurückfuhr des Wachstums.

"Der global kumulierte Ressourcenverbrauch in den Wohlstandszonen der Erde und die damit verbundenen CO2-Emissionen haben fatale Folgen. Schon 1972 hatte der Club of Rome auf die „Grenzen des Wachstums“ hingewiesen", betonte Nico Paech.

In seinem Vortrag beschäftigte sich Volkswirt Paech unter anderem mit dem Rückbau weltweiter industrieller Produktionsprozesse und der Stärkung lokaler und regionaler Selbstversorgung. „Der Klimawandel, Schuldenkrisen, Befunde der Glücksforschung und die Verknappung von bisher billig verfügbaren Ressourcen zeigen, dass die Wachstumsmöglichkeiten begrenzt sind. Unsere Gesellschaft muss ausloten, welche Möglichkeiten die Wirtschaft neben dem reinen Wachstum hat“, erklärte Nico Paech. Zur Umsetzung seiner Postwachstumsökonomie gehört auch der Rückbau der arbeitsteiligen, geldbasierten, globalen industriellen Strukturen und gleichzeitig eine Stärkung regionaler Produktion. Darüber hinaus wirbt der Wirtschaftswissenschaftler für Netzwerke der Selbsthilfe mit Nachbarn und insgesamt für weniger Profitdenken. „Warum nicht ohne Gewinn arbeiten?“ Statt 40 Stunden wöchtenlich müsse jeder nur noch 20 Stunden in der Woche arbeiten und könne die gewonnene Zeit wieder für seine privaten Netzwerke nutzen.
Für den mit der Bahn angereisten Referenten „ist die Zeitknappheit der Engpassfaktor unseres Glücks.“ Jeder Deutsche besitzt im Durchschnitt rund 10 000 Gegenstände, die er aber gar nicht alle nutzen kann. „Zivilisationskrankheit Nummer Eins ist die Depression. Die Menschen leiden sozusagen an Konsumverstopfung, sie können gar nicht mehr alles genießen, was sie kaufen. Ihr Selbstwertgefühl hängt deshalb davon ab, was die anderen haben.“ Handys, Smartphones, neue Autos würden oftmals angeschafft aus Angst, den Anschluss an die Gesellschaft zu verlieren. Der Referent, der selbst kein Auto besitzt und niemals mit dem Flugzeug reist, lebt seine Ideen auch persönlich vor. Eine angeregte Diskussion schloss sich dem Vortrag an.

Weitere Infos unter www.briloner-wirtschaft.de