Kleines Briefkuvert ganz groß

Gegen„Enkeltrickser“ und falsche Ordnungshüter: Polizei sowie Sparkassen und Banken im Kreisgebiet starten eine neue Kampagne gegen Abzocke und Betrügerei am Telefon

Hochsauerlandkreis. „Enkeltrickser“ und „falsche Polizisten“ haben auch im HSK noch immer Hochkonjunktur. Doch das soll sich ändern: Gemeinsam mit Vertretern der Sparkassen und Banken im Kreisgebiet haben Landrat Dr. Karl Schneider und der Abteilungsleiter der Kreispolizeibehörde, Polizeidirektor Klaus Bunse, am Montagnachmittag eine neue, konzertierte Aktion gegen die Betrüger offiziell auf den Weggebracht:

Hohe Bargeldsummen werden im HSK ab sofort in einem–von Bankmitarbeitern und Polizeibeamten gemeinsam entwickelten Briefumschlag übergeben. Auf dem Umschlag befinden sich konkrete Fragen und Hinweise an die potenziellen Opfer(siehe Infobox).

Die Masche ist nicht neu –doch immer wieder finden die –meist aus dem Ausland agierenden gewieften und hartnäckigen Täter via Telefon ihre Opfer, die dann völlig verunsichert eine Bank aufsuchen. Dort angekommen, heben sie manipuliert von den Anrufern größere Geldsummen, nicht selten mehrere Tausend Euro, von ihren Konten ab. „Bereits jetzt leisten Bankmitarbeiter gute Präventionsarbeit. Viele Taten werden durch freundliche Kundengespräche im Verlauf der Geldabhebung bekannt und verhindert”, loben Polizei und Vorstände der Geldinstitute. Doch leider gelänge es den Tätern trotzdem immer wieder, ihre Opfer durch konkrete Handlungsanweisungen so zu instruieren, dass den Bankmitarbeitern keine Anhaltspunkte für eine bevorstehende Straftat geliefert werden. Auch im Sauerland wurden so schon fünfstellige Summen erbeutet.

Die Statistik zeigt das ganze Ausmaß dieser Trickbetrügereien: Im Jahr 2019 ermittelte die Kreispolizei in 432 solcher Fälle, von denen 27 den Betrügern Beute einbrachten; im vergangenen Jahr wurden 267 Fälle bekannt, von denen wiederum 20 vollendet wurden. „Es gibt ein hohes Dunkelfeld“, so Polizeidirektor Bunse; und die Anrufer versuchen es immer wieder. Selbst der Landrat erhielt vor einiger Zeit einen solchen dubiosen Anruf. Obwohl er umgehend die Kripo alarmierte, konnte(n)der oder die Täter nicht ermittelt werden...

Der nun genutzte Briefumschlag soll sowohl präventiv wirken als auch die Fallzahlen weiter drücken helfen. „Er ist selbsterklärend“, meint Ernst-Michael Sittig mit Blick auf die „Benutzerfreundlichkeit“ des neuen Hilfsmittels. „Und wir sind alle gern bei dieser Aktion dabei“, ergänzt der Vorstand der Sparkasse Arnsberg-Sundern stellvertretend für seine Kollegen aus den Führungsetagen weiterer regionaler Geldinstitute. Es vereinfache die Arbeit der Bankangestellten auf diesem sensiblen Gebiet. Sensibel deswegen, weil „der psychische Druck auf die Kunden als potenzielle Opfer nicht zu unterschätzen ist“, wie Dr.Florian Müller, Vorstand der Volksbank Sauerland e.G., betont.

Darum ist es auch wichtig, dass der Briefumschlag die (eventuell) betroffene Kundschaft nicht weiter unter Druck setzt oder gar der Eindruck entstehen könnte, es handele sich um eine Bevormundung älterer Menschen.

Die Fragen auf dem Umschlag sind ein Angebot: „Wenn Sie zwei oder mehr Fragen mit ‘Ja’ beantwortet haben, wählen Sie sofort die 110“ heißt es im abschließenden Satz am unteren Ende. Ob derjenige dann tatsächlich zum Hörer oder zum Handy greift, bleibt letztendlich ihm selbst überlassen –aber wie heißt es doch so schön umgangssprachlich: „Besser isses!“

von Torsten Koch

Gemeinsam gegen Betrüger: Vertreter der heimischen Geldinstitute, der Kreispolizeibehörde des HSK und Landrat Dr. Karl Schneider (Vierter von rechts) mit einem überdimensionalen Exemplar des präventiven Briefumschlags vor dem Mescheder Kreishaus. FOTO: TORSTEN KOCH